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Zuckermedikament schützt Auge

Nützlicher Nebeneffekt

GLP-1-Rezeptoragonisten senken bei Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht nur den Blutzucker. Sie schützen offenbar auch vor einem Glaukom.

Blutzuckersenkung auf vielen Wegen

Zur Behandlung der Zuckerkrankheit gibt es viele Medikamente. Eine neue Wirkstoffklasse sind GLP-1-Rezeptoragonisten. Sie werden unter die Haut gespritzt und senken den Blutzucker, indem sie

  • die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse fördern und die Freisetzung eines Hormons hemmen, das den Blutzucker erhöht,
  • die Magenentleerung verlangsamen und
  • das Sättigungsgefühl verstärken und dadurch zu einer geringeren Nahrungsaufnahme führen.

Doch offenbar können GLP-1-Rezeptoragonisten noch mehr: Einer dänischen Studie zufolge schützen sie auch vor einem Glaukom. Bei dieser auch Grüner Star genannten Erkrankung kommt es zu einem erhöhten Augeninnendruck und Durchblutungsstörungen, die den Sehnerven bis zur Erblindung schädigen können.

In der dänischen Studie hatte eine Arbeitsgruppe die Daten von über 250.000 Männern und Frauen analysiert. 1737 davon litten an einem Typ-2-Diabetes und entwickelten im Studienzeitraum ein Glaukom. Sie wurden mit über 8000 Typ-2-Diabeteskranken verglichen, deren Augen gesund blieben. Alle erhielten Metformin und ein weiteres Medikament zur Blutzuckersenkung.

30 Prozent geringeres Risiko

Diejenigen Typ-2-Diabetiker*innen, die als Zweitmedikament einen GLP-1-Rezeptoragonisten gespritzt hatten, entwickelten seltener einen Grünen Star. Insgesamt war ihr Glaukomrisiko drei Jahre nach Studienbeginn um 30 Prozent niedriger als bei den Patient*innen, die ein anderes Medikament bekommen hatten.

Wahrscheinlich schützen GLP-1-Rezeptoragonisten die Nervenzellen der Netzhaut, vermuten die Autor*innen. Wie das geschieht, ist allerdings noch unklar. Denkbar wäre, dass sie die Menge entzündlicher Botenstoffe in der Netzhaut verringern und die Funktion der dortigen Immunzellen verbessern.

Quelle: Ärztezeitung

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was ist dran am Proteinhype?

Joghurt mit Eiweiß bitte

Joghurt mit High Protein, Schokolade mit Protein, oder gleich ein ganzes Regal mit Proteinshakes – Lebensmittel mit Proteinzusatz sind aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken. Die Versprechen der Industrie sind groß: Wer mehr Proteine isst, nimmt ab, Proteine machen Muskeln und Veganer*innen sind vom Mangel bedroht. Stimmt das?

Proteine machen satt

Richtig ist: Proteinreiche Mahlzeiten rufen besonders schnell ein Sättigungsgefühl hervor. Außerdem bringen sie den Blutzucker weniger zum Schwanken als kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Das verringert auch nach dem Essen das Hungergefühl, das gerne nach Blutzuckerspitzen einsetzt.
Auch ein zweiter Effekt könnte dazu führen, dass proteinreiche Mahlzeiten beim Abnehmen helfen: Proteine werden zu einem größeren Anteil verbrannt als Fette und Kohlenhydrate – es werden also weniger Kalorien im Körper gespeichert. Ob das nun tatsächlich beim Abnehmen hilft, ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Für wenige Monate scheint eine proteinreiche Ernährung zu einer Gewichtsabnahme zu führen, längerfristige Studien fehlen allerdings noch.

Mehrwert beim Leistungssport

Auch wer nicht nur abnehmen, sondern auch Muskeln aufbauen möchte, greift oft zu proteinreichen Mahlzeiten. Denn wer sich bewegt, braucht Proteine zum Muskelaufbau, so die Behauptung vieler Anbieter von Proteinprodukten. Tatsächlich nehmen die meisten Menschen über die normale Ernährung genug Proteine zu sich. Positive Effekte einer zusätzlichen Proteinzufuhr hat nur zu erwarten, wer mindestens 5 Stunden pro Woche trainiert. Ambitionierte Freizeit- oder Leistungssportler*innen dürfen also durchaus ihren Trainingsplan mit einer proteinreichen Ernährung abstimmen. Für alle anderen gilt: Der Muskel baut sich durch Bewegung und Sport auf, nicht durch den Proteinshake.

Vorsicht bei veganer Ernährung

Und was ist mit vegan lebenden Menschen? Tierische Ernährung enthält schließlich mehr Proteine als pflanzenbasierte Nahrung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht die Versorgung von Veganer*innen mit Proteinen durchaus kritisch. Diese sollten sich deshalb bewusst einen Ernährungsplan erstellen, der eine ausreichende Proteinzufuhr beinhaltet – also zum Beispiel mit einem großen Anteil an Hülsenfrüchten. Das gilt insbesondere für Veganer*innen über 65, da ältere Menschen einen etwas höheren Proteinbedarf haben als unter 65-Jährige.

Großteil gut versorgt

Für die meisten Menschen reicht eine normale, abwechslungsreiche Ernährung aus, um genug Proteine aufzunehmen. Angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb meist nicht notwendig. Zumal diese auch Nachteile haben: Viele Produkte enthalten Süßstoffe, um den bitteren Geschmack von Proteinen auszugleichen. Dazu werden Nahrungsergänzungsmittel nicht wie Arzneimittel geprüft und überwacht. Verunreinigungen oder Zusätze, die dort nicht hineingehören, können also immer wieder vorkommen. Vor allem bei Produkten aus dem Internet ist Vorsicht geboten.

Quelle: Quarks

Quelle: Tobias Höflein
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Weniger Muskeln durch die Abnehmspritze?

Überlegt abnehmen

Wer abnimmt, verliert nicht nur Fett. Der Gewichtsverlust geht oft auch mit einem Verlust an Muskelgewebe einher. Dieser Effekt scheint auch bei der Abnehmspritze ausgeprägt zu sein. 

Verlust an Muskelgewebe

Ob durch weniger Essen oder durch die Abnehmspritze: Wenn die Kilos auf der Waage weniger werden, liegt das leider nicht nur am schwindenden Fett. Schon lange ist bekannt, dass beim Abnehmen meist auch Muskeln verloren gehen – und zwar in nicht unerheblichem Ausmaß. 25 Prozent des verlorenen Gewichts sollten dabei aber nicht überschritten werden. Der Muskelabbau wird unter anderem begünstigt durch eine sehr rasche Gewichtsabnahme, ungünstige Ernährung und fehlende Bewegung.

Schwellenwert wird oft überschritten

Forschende wollten nun wissen: Wie stark ist der Effekt bei der Abnehmspritze (medizinisch: GLP-1-Agonisten)? Dazu werteten sie 36 Studien aus. Alle Teilnehmenden hatten durch die Abnehmspritze deutlich abgenommen. Rund 65 % verloren dabei auch mehr Muskelmasse als es der Schwellenwert empfiehlt – also deutlich mehr als 25 Prozent.
Ausreichend Muskulatur ist neben anderen gesundheitlichen Aspekten aber wichtig, um längerfristig ein niedrigeres Gewicht zu halten. Sinkt die Muskelmasse, sinkt nämlich auch der Grundumsatz – der Körper benötigt dann weniger Energie. Das bedeutet: Um das Gewicht zu halten oder weiter abzunehmen, darf in diesem Fall immer weniger gegessen werden.

Bewegung und ausreichend Eiweiß

Wer gegensteuern will, der sollte auch bei der Abnehmspritze begleitend auf viel Bewegung und eine gute Ernährung achten. Empfohlen wird, sich mindestens 5 mal pro Woche für eine Stunde zu bewegen. Auch sollten Abnehmwillige ausreichend Eiweiß aufnehmen. Grundsätzlich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Erwachsenen, täglich 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht zu essen. Bei 60 kg Körpergewicht sind das beispielsweise 48 g Eiweiß am Tag. 

Quellen: Deutsches Ärzteblatt; Pharmazeutische Zeitung


Quelle: Sara Steer
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Behörde warnt vor Longevity-Infusionen

Fragwürdige Vitamincocktails

Infusionen mit Vitaminen und Aminosäuren gelten auf Social Media als neuer Gesundheitstrend. Unter Schlagworten wie „Longevity“ oder „Biohacking“ werden mehr Schönheit, Energie und gesundes Altern versprochen. Fachleute warnen jedoch vor unterschätzten Risiken.

Aus der Klinik in den Beauty-Salon

Was früher vor allem in Krankenhäusern eingesetzt wurde, ist inzwischen Teil der Wellness-Industrie geworden: Infusionen mit hochdosierten Vitaminen, Spurenelementen oder Aminosäuren werden heute als Lifestyle-Produkt vermarktet. Unter Namen wie „Vitamin Drip“, „NAD+-Therapie“ oder „Longevity-Infusion“ sollen sie Müdigkeit vertreiben, das Aussehen optimieren, die Konzentration steigern und sogar den Alterungsprozess verlangsamen.

Inzwischen gibt es auch in vielen deutschen Großstädten sogenannte Infusions-Lounges, in denen Kund*innen individuell zusammengestellte Vitamin- und Nährstoffcocktails über die Vene erhalten. Die Kosten liegen oft bei mehreren hundert Euro pro Behandlung.

Nutzen bisher kaum belegt

Doch der wissenschaftliche Nutzen solcher Infusionen ist bislang kaum belegt. Darauf weist auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hin. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, Wellness-Infusionen mit medizinisch notwendigen Infusionstherapien gleichzusetzen. Während Infusionen mit Vitaminen oder Nährstoffen in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen oder Mangelzuständen wichtig und sinnvoll sein können, fehlen für Anwendungen bei gesunden Menschen aussagekräftige Studien.

Es drohen Überdosierungen, Kreislaufprobleme und Infektionen

Viele der beworbenen Effekte – etwa mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder „Healthy Aging“ – sind wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Gleichzeitig können die Behandlungen Risiken mit sich bringen. Laut BfArM drohen unter anderem Überdosierungen bestimmter Vitamine, Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts oder allergische Reaktionen.

Auch typische Komplikationen intravenöser Anwendungen wie Kreislaufprobleme oder Infektionen sind möglich. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Weder die Qualität noch die Sicherheit vieler verwendeter Infusionsmischungen ist belegt.

Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen sowie Personen mit Herz-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sein. Denn gerade bei ihnen kann der Körper empfindlich auf hochdosierte Infusionen reagieren.

Quelle: BfArm, Medscape

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Vorsicht in der Höhe mit Kindern

Gesundes Bergwandern

Wandern in den Bergen ist bei vielen Familien beliebt. Doch ab 2500 m warten neben der intensiven Sonneneinstrahlung auch andere Herausforderungen auf den Körper. Vor allem vor der Höhenkrankheit muss man Kinder schützen.

Langsam aufsteigen

Wer mit Kindern in die Berge reist, muss Höhenrisiken beachten. Damit sich der Körper an die Höhe gewöhnen kann, muss der Aufstieg beim Bergwandern langsam und spielerisch erfolgen. Ab etwa 2000 m sollte die Höhe schrittweise (bis zu 300 m/Tag) erreicht werden, da der Körper Zeit braucht, sich an den Sauerstoffmangel zu gewöhnen. Entscheidend ist, nicht zu schnell aufzusteigen und genügend Ruhe einzuplanen.

Die erste Schlafhöhe sollte generell unter 2500 m liegen. Danach gilt für Erwachsene ein Anstieg der Schlafhöhe von maximal 300–600 m pro Nacht. Zusätzlich wird nach jeweils ca. 1000 Höhenmetern ein Ruhetag empfohlen. Tagsüber können höhere Gipfel möglich sein, aber die Nacht sollte tiefer verbracht werden. Kritisch sind vor allem die ersten zwei Tage in großer Höhe.

Bei Kindern aus dem Flachland gelten strengere Regeln: Vorschulkinder sollten sich in Höhen über 3000–4000m nicht aufhalten. Bis zu dieser Höhe sollte ab 2000 m täglich nicht mehr als 300 Höhenmetern erklommen werden. Säuglinge schlafen möglichst unter 1600 m. Generell gilt: je jünger das Kind, desto vorsichtiger die Höhenexposition.

Bei geringstem Verdacht absteigen

Wichtig ist auch die Beobachtung, da Symptome der Höhenkrankheit oft verzögert auftreten. Für Erwachsene sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel typisch. Kinder können ihre Beschwerden nicht immer gut äußern, weshalb Eltern ihre Kinder regelmäßig befragen und genau beobachten sollten. Hinweise sind

  • ·        Unruhe,
  • Quengeln,
  • ungewöhnliche Müdigkeit oder
  • auffällige Teilnahmslosigkeit.

Bei Verdacht auf eine akute Höhenkrankheit gilt der sofortige Abstieg alsdie wichtigste Maßnahme. Zusätzlich kann man den Oberkörper hoch lagern und, falls vorhanden, Sauerstoff geben. Schwere Verläufe wie das Höhenlungenödem oder das Höhenhirnödem sind lebensbedrohlich und erfordern schnelle ärztliche Hilfe.

Es sollte vorher geprüft werden, ob eine Notfallversorgung, z. B. eine Überdruckkammer, erreichbar ist. Medikamente zur Vorbeugung (z. B. Acetazolamid, Dexamethason oder Nifedipin) sind für Kinder nicht zugelassen und nur in Ausnahmefällen ärztlich zu erwägen. Von Reisen in abgelegene, medizinisch schlecht versorgte Regionen wird mit Kindern gänzlich abgeraten.

Nur gesund in die Berge!

Wichtig: Kinder sollten nur gesund in die Höhe gebracht werden. Selbst einfache Infekte wie Schnupfen können sich als problematisch erweisen. Bei kranken Kindern ist auch der Auf- oder Abstieg mit der Seilbahn oder dem Auto verboten, da die schnellen Druckveränderungen Risiken erhöhen. Besondere Vorsicht gilt bei chronischen Erkrankungen wie Herzfehlern, Lungenhochdruck, Mukoviszidose, Sichelzellanämie oder Down-Syndrom, da hier die Belastung in der Höhe deutlich erhöht sein kann.

Quelle: Ärztezeitung

Quelle: Dr. Sonja Kempinski
Bildrechte: mauritius images / Westend61 / hsimages