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So hält man Osteoporose fern

Knochenfreundlich ernähren

Osteoporose gehört zu den Volkskrankheiten. Doch wer sich gesund ernährt und eventuelle Mängel ausgleicht, kann die Knochen schützen. Dabei müssen nicht nur die nötigen Nährstoffe und Mineralien zugeführt werden. Vor allem in puncto Kalzium gilt es, auch die in vielen Produkten enthaltenen Kalziumräuber zu beachten.

Knochen lebenslang im Umbau

Knochen ist kein totes Gewebe: Im Gegenteil, er wird das ganze Leben lang umgebaut. Dieser Prozess dient dazu, kleine Schäden im Knochen zu reparieren oder den Knochen auf verstärkte Belastungen anzupassen. Insgesamt überwiegt bis zum 30. Lebensjahr der Aufbau. Danach befindet sich der Knochen etwa zehn Jahre lang im Gleichgewicht, und ab Mitte 40 nimmt der Knochenabbau allmählich zu. Für seine Stoffwechsel benötigt der Knochen einiges an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen. Werden diese nicht ausreichend zugeführt, leidet die Knochenqualität und es droht Knochenschwund (Osteoporose). Eine knochenfreundliche Ernährung kann vor dieser folgenschweren Erkrankung schützen. Und wer gleichzeitig etwas für seinen Knorpel und gegen Entzündungen tut, beugt auch gegen Arthrose vor.

Hinweis: Knochengewebe ist sehr fleißig: Innerhalb von etwa 8–10 Jahren hat sich das gesamte Skelett einmal „komplett“ ausgetauscht, weil alter Knochen abgebaut und durch neuen ersetzt wird.

Kalziumhaushalt bildet die Basis

Der wichtigste Grundstoff für den Knochen ist Kalzium. Es wirkt wie Zement im Mauerwerk und sorgt dadurch dafür, dass der Knochen fest, stabil und belastbar ist. 99% des Kalziums stecken in den Knochen und den Zähnen, wobei der Knochen auch als Kalziumvorrat dient. Denn das wertvolle Mineral wird auch außerhalb des Knochens gebraucht, z. B. bei der Muskelkontraktion, bei der Weiterleitung von Nervenreizen und bei der Blutgerinnung. Ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig, kann es der Körper aus dem Knochen freisetzen – wobei die Kalziumvorräte aber unverzüglich wieder aufgefüllt werden müssen, damit der Knochen nicht leidet.

Kalzium wird im Darm aus der Nahrung aufgenommen, Allerdings schwankt die Aufnahme mit 20 bis 60% der zugeführten Kalziummenge stark. Um ausreichend viel Kalzium aufzunehmen, empfehlen Expert*innen die tägliche Zufuhr von mindestens 1000 mg. Damit sieht es allerdings mau aus in Deutschland: nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erreicht diese Menge. Gedeckt wird der Bedarf von 1000 mg zum Beispiel durch

  • 125 mg Edamer 
  • 2,9 l Gerolsteiner Mineralwasser,
  • 0,8 l Milch, 
  • 830 g Joghurt oder
  • 540 g Tofu.

Obst und Gemüse enthalten ebenfalls Kalzium. Um auf 1000 mg täglich zu kommen, müssen allerdings auch hier sehr große Mengen von 470 g Grünkohl, 2,6 kg Kiwi oder 15 kg Bananen verzehrt werden. Auch Haferdrinks als Milchersatz sind oft mit Calcium angereichert und enthalten dann so viel Calcium wie Kuhmilch.

Hinweis: Die Aufnahme des Kalziums hängt nicht nur von der angebotenen Menge ab, sondern auch von Vitamin D. Bei starkem Vitamin-D-Mangel sinkt die Kalziumaufnahme im Darm unter 10%.

Kalziumräuber am Werk!

Eine knochenfreundliche Ernährung benötigt allerdings nicht nur ausreichend Kalzium. Es muss auch auf die Kalziumräuber in der Nahrung geachtet werden. Dies sind Lebensmittel, die bei übermäßigem Verzehr dazu führen können, dass dem Körper das angebotene Kalzium nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

  • Phosphat. Die wichtigste Rolle spielt dabei Phosphat. Zwar fördert Phosphat gemeinsam mit Kalzium die Knochenstabilität. Wird es allerdings im Übermaß aufgenommen, behindert es die Kalziumresorption im Darm und fördert somit den Knochenabbau. Phosphat muss also keinesfalls gemieden, sondern nur ein Überschuss verhindert werden. Das gelingt, in dem man besonders phosphathaltige Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Cola sowie stark verarbeitete Produkte nur in Maßen konsumiert.
  • Oxalsäure und Phytinsäure. Auch Oxalsäure kann Kalzium im Darm abfangen und auf diese Weise die Aufnahme ins Blut verhindern. Empfohlen wird deshalb, oxalreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Rhabarber, Kakao, Schokolade und Mangold nicht in übergroßen Mengen zu verzehren. Gleiches gilt für die Phytinsäure, die ebenfalls das Kalzium im Darm bindet. Besonders reich an Phytin sind Sojabohnen, Erdnüsse sowie Müsli aus frischem Getreide sowie Vollkornbreie. 
  • Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee. Koffein im Übermaß kann dem Knochen auf zwei Arten schaden: Es hemmt die Kalziumaufnahme aus dem Darm und fördert die Kalziumausscheidung über die Niere. Alkohol hemmt die Kalziumaufnahme und schadet der Leber, wodurch der dort stattfindende Vitamin-Stoffwechsel gestört wird.

Hinweis: Kochsalz fördert die Osteoporose, indem es die Kalziumausscheidung über die Niere ankurbelt. Es ist ratsam, sparsam zu salzen und statt auf Kochsalz auf Gewürze zu setzen. Das tut nicht nur dem Knochen gut, sondern auch dem Blutdruck.

Unabdingbar: Vitamin D

Ohne die ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann der Knochen das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium nicht richtig nutzen. Denn Vitamin D verbessert nicht nur die Aufnahme des Mineralstoffs über die Darmschleimhaut. Es fördert auch seinen Einbau in den Knochen und hemmt den Knochenabbau. 10 bis 20% des Vitamins wird über die Nahrung aufgenommen, 80 bis 90% unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Von April bis September reicht für die Vitamin-D-Versorgung ein täglicher Aufenthalt von 30 Minuten im Freien, wobei Arme und Gesicht unbedeckt sein müssen.

Der Tagesbedarf an Vitamin D beträgt etwa 800 Internationale Einheiten (IE). Etwa 80% der Männer und 91% der Frauen erreichen diese Werte nicht. Auf einen Mangel weisen diffuse Knochen- und Muskelschmerzen hin. Bei Verdacht sollte die Ärzt*in die Blutspiegel messen und der Mangel ausgeglichen werden. Dafür sind häufig Vitamin-D-Tabletten nötig. Denn die Auswahl an Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ist gering und nicht nach jedermanns Geschmack. Dazu zählen Lebertran, Seefisch (Hering, Makrele,Lachs), Leber und Eigelb. Bei Vitamin-D-Mangel werden zum Ausgleich meist Tagesdosen von 1000 IE Vitamin D empfohlen. Diese Menge steckt z. B. in 

  • 80 g Hering, 160 g Lachs oder 190 g Aal sowie in 
  • 670 g Kalbfleisch oder 
  • 830 g Steinpilzen.

Hinweis: Vitamin D darf nicht überdosiert werden. Wer mehr als 4000 IE pro Tag aufnimmt, drohen Nierensteine und Herzrhythmusstörungen. Im Zweifel sollte man seine Ärzt*in dazu befragen und evtl. die Blutspiegel des Vitamins messen lassen.

Ohne Eiweiß geht es nicht

Ein weiterer wichtiger Baustein in der knochenfreundlichen Ernährung ist Eiweiß. Eiweiß bildet das Kollagengerüst im Knochen, in das Kalzium und die anderen Mineralien eingelagert werden. Mangelt es an Eiweiß, wird der Knochenaufbau behindert und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Pflanzliches Eiweiß scheint dabei etwas vorteilhafter zu sein als tierisches Eiweiß. Expert*innen empfehlen eine Kombination pflanzlicher und tierischer Eiweiße, bei Letzteren sind Milch, Eier und mageres Fleisch zu bevorzugen. Der Tagesbedarf für Männer und Frauen bis 65 Jahre beträgt 0,8g/kg Körpergewicht, der für Menschen über 65 Jahre 1,0 g/kgKG. Ein 70-jährigr Mensch mit einem Gewicht von 70 kg braucht also 70 g Eiweiß/Tag. Diese stecken zum Beispiel in 

  • 240 g Emmentaler oder 270 g Gouda, 
  • 270 g Erdnüssen 
  • 310 g Rindfleisch, 310 g Huhn oder 310 g Schweinefleisch 
  • 390 g Fisch
  • 540 g Tofu oder
  • 580 g Linsen.

Um den Eiweißbedarf von 70 g mit Getreide oder Kartoffeln zu decken, müsste man täglich 900 g Weizenbrot oder 3,5 kg Kartoffeln verzehren.

Hinweis: Wer eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, muss etwas vorsichtig mit Eiweiß sein. Eine überhöhte Zufuhr belastet die Nieren, weil dadurch mehr Harnstoff und Säure entsteht. Menschen mit Nierenproblemen sollten bezüglich der Eiweißzufuhr immer Rücksprache mit ihrer Ärzt*in halten.

Vitamine, Magnesium und Spurenelemente

Für den gesunden Knochen sind viele weitere Nährstoffe erforderlich.

  • Magnesium. Davon sollen etwa 300 bis 350 mg aufgenommen werden. Es steckt insbesondere in Mineralwässern, aber auch in Vollkornprodukten und Naturreis. Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erreicht die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Reicht eine Nahrungsumstellung nicht aus, können Supplemente zugeführt werden. 250 mg Magnesium stecken z. B. in 3,2 l Gerolsteiner Mineralwasser, 220 g Erdnüssen, 270 g Haferflocken und 320 g Naturreis.
  • Vitamin K. Vitamin K fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen, es gibt auch Hinweise, dass es die Kalziumausscheidung über die Niere hemmt. In Deutschland wird für Männer und Frauen über 51 Jahren eine tägliche Zufuhr von 65 Mikrogramm bzw. 80 Mikrogramm empfohlen. Vitamin K ist hitzestabil, wodurch beim Kochen kaum Verluste auftreten. 80 Mikrogramm Vitamin K sind enthalten in 12 g Grünkohl, 25 g Spinat, 200 g Spargel oder 320 g Rotkraut.
  • Vitamin C. Vitamin C stimuliert die knochenbildenden Zellen, das für das Knochengerüst nötige Kollagen zu bilden. Etwa ein Drittel der Erwachsenen unterschreitet die erforderliche tägliche Zufuhr (95 mg für Frauen, 110 mg für Männer). Rauchen gilt als Vitamin-C-Killer, weshalb Rauchende einen höheren Bedarf haben (135 bzw. 155 mg). 110 mg Vitamin C finden sich in 70 g Petersilie, 100 g Paprika, 220 g Spinat, 250 g Kiwi oder 9 g Hagebutte. Wer den Bedarf mit Äpfeln oder Birnen decken möchte, muss davon täglich 920 g bzw. 2,4 kg zu sich nehmen.
  • Zink. Zink fördert die Bildung des Knochengerüsts und trägt damit zum Knochenaufbau bei. Bei Mangelernährung und veganer Ernährung kann es zu Zinkmangel kommen. Etwa 30% der Männer und 20% der Frauen erreichen die erforderliche Tageszufuhr von 11-16 mg (Männer) und 7-10 mg (Frauen) nicht. Ein hoher Konsum von Vollkornprodukten oder unfermentierten Hülsenfrüchten kann zudem die Zinkaufnahme stören. 10 mg Zink sind enthalten in 45 g Austern, 200 g Rinderleber, 200 g Edamer, 280 g Rindfleisch und 300 g Erdnüssen.

Hinweis: Vitamin K hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar auf. Bei Einnahme dieses Blutverdünners sollte man mit Vitamin-K-reichen Produkten vorsichtig sein und im Zweifel die Ärzt*in dazu befragen.

Was gibt es gegen Arthrose?

Mit einer guten Ernährung lässt sich einiges für den Knochen tun. Davon profitieren auch die Gelenke. Speziell für die Gesundheit der Gelenke gibt es weniger Möglichkeiten. Die meisten Empfehlungen sind nicht ausreichend durch Studien belegt oder haben nur einen geringen Effekt.

  • Omega-3-Fettsäuren. Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken entzündungshemmend. Besonders reichlich sind sie in Lachs und Hering enthalten. Als wichtigste pflanzliche Quellen gelten Raps-, Walnuss- und Leinöl. Distel- und Sonnenblumenöl sind ungünstig, weil sie mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren enthalten.
  • Selen. Ein zu niedriger Selen-Spiegel kann möglicherweise eine Arthrose begünstigen. Die Ergebnisse aus Studien sind hier aber teils sehr widersprüchlich. Deutsche Böden sind eher selenarm, weshalb die empfohlenen Tagesdosen häufig nicht erreicht werden. Diese beträgt für Männer 70 Mikrogramm/Tag, für Frauen 60 Mikrogramm.
  • Chondroitin und Glukosamin. Diese Knorpelbaustoffe sollen den Knorpelstoffwechsel fördern und den Bedarf für Schmerzmittel bei Arthrose reduzieren. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht klar und mögliche Effekte auf Schmerzen und Funktionalität sehr gering. Chondroitin wird aus Knorpelgewebe von Schweinen, Rindern, Walen und Haifischen gewonnen, die empfohlene Tagesdosis sind 800 bis 1200 mg. Glukosamin stammt aus Krabben und Garnelen, die übliche tägliche Dosierung beträgt 800 bis 1500 mg pro Tag.

Antientzündlich hilft rheumatischen Gelenken

Für Menschen mit rheumatischen Gelenkbeschwerden ist eine antientzündliche Kost günstig. Dabei ist vor allem die Zufuhr von Arachidonsäure einzuschränken. Sie wird im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgewandelt, die Schübe auslösen können. Arachidonsäure ist vor allem in tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten vorhanden, diese sollten deshalb in Maßen verzehrt werden. Günstig sind dagegen Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren, denn die Fettsäuren vermindern den Abbau der Arachidonsäure zu den entzündungsfördernden Eicosanoiden.

Auch Antioxidanzien wie Vitamin C und E sowie Polyphenole und Carotinoide helfen gegen Entzündungen. Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren damit den entzündlichen Kreislauf. Gute Quellen für Antioxidanzien sind Paprika, Johannisbeeren, Brokkoli, Nüsse, Oliven- und Rapsöl, Grünkohl, Knoblauch und Karotten. Die DGE empfiehlt eine Aufnahme von 95 bis 110 mg Vitamin C und 12 bis 15 mg Vitamin E. 3 bis 4 Esslöffel Beeren und eine Handvoll Nüsse decken diesen Bedarf in etwa ab.

Hinweis: Häufig wird eine Übersäuerung des Körpers als schädigend für Knochen und Gelenke genannt. Für diese Theorie gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis, entsprechende basische Produkte oder Diäten werden deshalb nicht empfohlen.

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Zuckermessung zur Lifestyle-Optimierung

Bringt das was?

Für Menschen mit Diabetes ist es heutzutage normal: die kontinuierliche Messung des eigenen Blutzuckers. Doch ist die Methode auch für Gesunde sinnvoll?

Zuckerspiegel über Sensoren

Kontinuierliche Glukosemessgeräte (CGM) ermöglichen die dauerhafte Messung des  Blutzuckers. Dafür werden Sensoren auf die Haut aufgesetzt, meistens auf dem Oberarm. Ein dünner Faden zieht vom Sensor durch die Haut und misst den Blutzuckergehalt, die Glukose, im Gewebe. Menschen mit Diabetes können auf diese Weise genau erkennen, wann und wieviel Insulin sie benötigen. Diese Messmethode findet nun allerdings auch zunehmend Verbreitung bei Gesunden, die ihren Lebensstil optimieren wollen.

Fachleute raten ab

Der Blutzucker ist nicht konstant, sondern schwankt im Tagesverlauf. Durch manche Lebensmittel kann der Blutzucker sehr schnell ansteigen, es entstehen Blutzuckerspitzen. Manche Influencer*innen werben damit, dass sich durch die Vermeidung dieser Blutzuckerspitzen der Schlaf verbessern lasse oder weniger Heißhunger auftrete. Und um diese Spitzen zu erkennen, helfe die kontinuierliche Glukosemessung. Doch Fachleute warnen aus mehreren Gründen vor einer kontinuierlichen Blutzuckermessung bei Gesunden.

Interpretation kaum möglich

Das liegt unter anderem daran, dass die Interpretation von Blutzucker-Schwankungen bei Gesunden schwierig ist. Denn der Zuckerspiegel wird von vielen Faktoren beeinflusst, beispielsweise von der Ernährung, Hormonen, Stress und Schlaf. Die Schwankungen lassen sich also nicht einzelnen Faktoren zuordnen. Selbst medizinische Fachleute sind sich uneinig in der Auswertung solcher Schwankungen bei Gesunden. Dazu kommt ein weiterer negativer Aspekt: Menschen könnten sich übermäßig mit ihren Zuckerschwankungen beschäftigen. Dieser Fokus kann zu unnötigen Sorgen führen, denn Blutzuckerschwankungen sind völlig normal.

Keine Diagnosemethode

Dazu kommt, dass es keine Studie gibt, die eine Verbesserung der Gesundheit durch die Vermeidung von Blutzuckerspitzen bei Gesunden zeigt. Auch zur Diagnose eines Diabetes eigenen sich diese Messungen nicht, denn die Messung in der Haut ist dafür nicht genau genug. Um einen Diabetes festzustellen, führen Ärzt*innen eine Blutuntersuchung durch, manchmal auch an zwei verschiedenen Tagen. Als Fazit bleibt, dass die kontinuierliche Blutzuckermessung bei Gesunden derzeit nicht zu empfehlen ist. Für Menschen mit Diabetes ist sie allerdings eine gute Methode, die Therapie gezielter zu steuern. 

Quelle: Ärzteblatt

Quelle: Dr. med. Tobias Höflein
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Ständig Infekte beim Kita-Kind …

Wie viele sind normal?

Ein bisschen nervig ist es schon: Kaum kommt das Kind in die Kita, geht es los mit den Infekten. Doch wie viele Infekte sind normal – und kann man etwas dagegen tun?

Erst Nestschutz, dann Aufbau der Abwehr

Wenn Kinder auf die Welt kommen, haben sie durch von der Mutter übertragene Antikörper zunächst einen gewissen Schutz vor Infektionen. Dieser lässt im Laufe des ersten Lebensjahres nach. Dann beginnt das Kind, seine eigene Abwehr aufzubauen – und dafür braucht es den Kontakt mit Erregern.

Es ist also ganz normal, dass Kleinkinder Infekte durchmachen. Jeder Infekt trainiert ihr Immunsystem. Der Eintritt in eine Kita ist gewissermaßen wie der Start in ein kleines „Bootcamp“: Der Körper setzt sich mit vielen verschiedenen Erregern auseinander und baut so Schritt für Schritt Widerstandskraft für die kommenden Jahre auf.

Bis zu 15 Atemwegsinfektionen im Jahr

Einer britischen Studie zufolge hat ein Kleinkind nach dem Kita-Start im ersten Jahr etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen sowie ein bis zwei Infektionen mit Hautausschlag. Mit jedem weiteren Jahr werden die Infektionen weniger. Wenn das Kind später in die Schule kommt, macht sich dieses „Bootcamp“ bezahlt: Kinder, die eine Kita besucht haben, sind in den ersten Schuljahren oft seltener krank als Kinder, die zu Hause betreut wurden.

Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kita sind also normal und sagen nichts über die Hygiene vor Ort oder den Gesundheitszustand des Kindes aus. Das bestätigen auch deutsche Kinderärzt*innen. Zwar gibt es hierzulande keine ganz vergleichbaren Statistiken wie in England, aber auch in Deutschland sind Kinder im ersten Betreuungsjahr deutlich häufiger von Infekten betroffen als später. Gerade in den Wintermonaten kann etwa alle zwei Wochen ein Infekt auftreten – auch das ist noch im normalen Bereich.

Genügend Zeit für die Erholung

Den besten Schutz vor schweren Infektionen bieten Impfungen, betonen Fachleute. Deshalb sollten alle Kinder gemäß den Empfehlungen der STIKO geimpft werden. Bei sogenannten banalen Infekten ist es außerdem wichtig, dass Kinder zu Hause bleiben, solange sie krank sind. So wird die Ausbreitung von Krankheiten in der Kita reduziert und das Kind hat ausreichend Zeit, sich zu erholen.

Damit ein Kind wieder in die Kita gehen kann, sollte es mindestens 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall sein. Eine gute Faustregel ist: Wenn Eltern am Abend das Gefühl haben, ihr Kind wäre heute fit genug für die Kita gewesen, dann darf es sich am nächsten Tag wieder dort ins Getümmel stürzen.

Quelle: ptaheute

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Rauchen verschlimmert Basedow

Weg mit der Fluppe!

Menschen mit einem Morbus Basedow müssen im Alltag auf einige Dinge achten. Dazu gehört, mit dem Rauchen aufzuhören – denn Nikotin verschlimmert die Erkrankung. Das gilt besonders für die Augenbeteiligung.

Hervortretende Augäpfel und Doppelbilder

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren trifft. Die hierbei gebildeten Autoantikörper (TRAK) binden an die Schilddrüsenzellen und aktivieren sie. Es kommt zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen mit Herzrasen, Nervosität, Gewichtsverlust und Struma (vergrößerte Schilddrüse). Bei bis zu 50% der Erkrankten sind auch die Augen betroffen. Die durch die Autoantikörper ausgelösten entzündliche Veränderungen in der Augenhöhle führen zum Hervortreten der Augäpfel, zu Augenbrennen, Doppelbildern und Druckschmerz – in seltenen Fällen auch bis hin zur Erblindung.

Rauchen lockt den Basedow hervor

Inzwischen weiß man, dass Rauchen der wichtigste Faktor dafür ist, dass sich ein genetisch veranlagter Morbus Basedow ausbildet. Doch nicht nur das: Der Tabakkonsum beeinflusst auch den Verlauf der Erkrankung. Je mehr Zigaretten gequalmt werden, desto höher ist z. B. das Risiko für eine Augenbeteiligung, so eine britische Studie. Darin wurden 991 Erwachsene eingeschlossen, bei denen ein Morbus Basedow frisch diagnostiziert war. 27% von ihnen rauchten, 23% waren Ex-Rauchende, die übrigen hatten nie geraucht.

Ein Maß für die Aktivität der Erkrankung ist die Menge an Autoantikörpern im Blut. Die höchsten Konzentrationen davon fanden sich bei den Rauchenden, pro 10 Zigaretten mehr lagen die TRAK-Spiegel um 9% höher. Außerdem hatten die Rauchenden deutlich häufiger Augenprobleme. Auch hier schlug die Menge zu Buche: Pro 10 Zigaretten mehr täglich stieg das Risiko um 34% an.

Zudem stört Rauchen die Behandlung des Morbus Basedow. Über 600 der Betroffenen erhielten schilddrüsenbremsende Medikamente. Innerhalb von zwölf Monaten war es bei den Rauchenden trotz Medikamente häufiger zu einem erneuten Ausbruch der Erkrankung gekommen als bei den Ex- oder Nie-Rauchenden.

Rauchstopp wirkt

Die Studie hat aber auch eine gute Nachricht: Menschen mit Basedow, die es schaffen, das Rauchen aufzugeben, profitieren davon erheblich. Denn nach einem konsequenten Rauch-Stopp sinkt das Risiko für Augenbeteiligungen und Rezidive auf das Niveau der Patient*innen, die noch nie Tabak konsumiert haben.

Quelle: Springer Medizin

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Menstruationstasse statt Tampons?

Weniger Kosten, weniger Müll

Menstruationstassen sind praktisch: Sie bieten den gleichen Schutz wie Binden oder Tampons, verursachen weniger Müll und sind auch noch billiger als herkömmliche Hygieneprodukte. Doch wie sieht es mit der medizinischen Sicherheit aus?

Einsetzen, rausnehmen, abspülen, einsetzen…

Menstruationstassen sind kleine weiche Trichter aus Silikon, Gummi oder Latex, die in die Scheide eingeführt werden und dort das Menstruationsblut auffangen. Je nach Stärke der Blutung werden sie nach 4 bis 12 Stunden wieder herausgenommen, ausgeleert, abgespült und erneut eingesetzt. Vor und nach jeder Menstruation müssen die Tassen 10 Minuten lang ausgekocht werden. Auf diese Weise lassen sich die kleinen Tassen jahrelang immer wieder verwenden – was ihre Nachhaltigkeit betrifft sind sie also durchaus überzeugend.

Damenhygiene im Vergleich

Doch wie sieht es mit Auslaufschutz, Infektionsgefahr und Handhabung aus? Bei einer aktuellen Analyse von 43 weltweit durchgeführten Studien zu Damenhygieneprodukten, an denen über 3300 Frauen beteiligt waren, kamen britische Forscherinnen zu folgenden Ergebnissen:

  • In puncto Auslaufschutz waren Menstruationstassen gleich sicher wie Tampons und Binden, in einer der analysierten Studien waren die kleinen Tassen sogar überlegen.
  • Das Infektionsrisiko war nicht höher als bei anderen Hygieneprodukten, weder bei amerikanischen, europäischen oder afrikanischen Mädchen und Frauen.
  • Die Tassen hatten keinen negativen Effekt auf die Vaginalflora. In den Studien, in denen Scheide und Gebärmutterhals nachuntersucht wurden, zeigten sich auch keine Gewebeschäden durch die Tassen.
  • Schmerzen, allergische Reaktionen und Harnwegsbeschwerden kamen sehr selten vor.
  • Gut 70% der Frauen, die sich mit Menstruationstassen vertraut gemacht hatten, wollten diese weiterverwenden.

Müll gespart, Kosten gespart

Von großem Vorteil sind auch die Einsparungen durch Menstruationstassen. Menstruationstassen kosten etwa zwischen 0,7 und 47 US-Dollar, sie lassen sich bis zu 10 Jahre lang verwenden. Geht man von dieser Haltbarkeit aus, entstehen pro Periode nur etwa 5 – 7 % der Kosten, die eine Benutzung von Binden und Tampons verursacht. Eingespart wird auch beim Müll: Grob geschätzt verursacht eine Menstruationstasse 0,4% des Plastikmülls von Einwegbinden und 6% von Tampons.

Hat die Tasse einen Haken?

Prinzipiell müssen sich Mädchen und Frauen an die Verwendung von Menstruationstassen erst einmal gewöhnen. Meist sind mehrere Zyklen nötig, um die Handhabung zu erlernen, berichten viele der Anwenderinnen. Dabei ist auch die Art der Menstruationstasse von Bedeutung: Scheidentassen lassen sich einfacher herausnehmen, hier war in den 43 Studien nur in 2 Fällen professionelle Hilfe erforderlich. Bei Tassen, die wie ein Diaphragma über den Gebärmutterhals gestülpt werden, wurde dagegen 47 Mal Hilfe beim Entfernen benötigt.

Problematisch kann es auch werden, wenn zur Verhütung eine Spirale verwendet wird: In einigen Fällen führte das Entfernen der Menstruationstasse zu deren Verrutschen. Der gleichzeitige Einsatz von Spirale und Menstruationstasse muss deshalb noch weiter geprüft werden, betonen die Autorinnen.

Übrigens: Neben Tampons und Binden sind auch Menstruationstassen in der Apotheke erhältlich.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Lancet

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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